Igelchen Stachel und seine ersten Freunde

Im Wald unter einer alten Eiche lebte ein kleiner Igel namens Stachel. Er hatte spitze Stacheln und eine weiche Nase, aber er hatte große Angst vor den anderen Tieren.

Wenn Stachel ein Eichhörnchen sah, rollte er sich sofort zu einer Kugel zusammen. Hörte er die Stimme eines Häschens, versteckte er sich unter Blättern. Und wenn eine Maus vorbeirannte, zitterte er am ganzen Körper.

„Warum versteckst du dich immer?“, fragte eines Tages das Eichhörnchen Röschen und spähte unter das Eichenlaub.

Stachel rollte sich nur noch fester zusammen.

„Vielleicht gehen wir zusammen Eicheln suchen?“, schlug sie vor.

Aber der Igel antwortete nicht.

Am nächsten Morgen ging Stachel zum Bach, um Wasser zu holen. Da hörte er plötzlich leises Weinen. Das Häschen Langohr hatte sich im stacheligen Dornengestrüpp verfangen.

„Hilf mir!“, wimmerte das Häschen.

Stachel erschrak. Er wollte weglaufen. Aber das Häschen weinte so kläglich …

Der Igel fasste all seinen Mut und ging näher heran. Mit seinen kleinen Pfoten begann er vorsichtig, die Zweige zu entwirren. Seine Stacheln störten ihn gar nicht – die hatte er ja selbst!

„Danke dir!“, rief Langohr freudig, als er frei war. „Du bist ein echter Held!“

Stachel wurde ganz rot vor Verlegenheit.

Da sprang Röschen vom Baum herab: „Siehst du, Stachel! Du bist so mutig! Und gar nicht furchteinflößend!“

Und aus dem Busch kam die Maus Piepser hervorgehüpft: „Wir wollten alle mit dir befreundet sein, aber du hast dich immer versteckt!“

Stachel rollte sich auf. Er sah das Eichhörnchen, das Häschen und die Maus an. Sie alle lächelten.

„Ich … ich hatte nur Angst, dass ihr nicht mit einem so stacheligen Igel befreundet sein wollt“, flüsterte Stachel.

„Ach, deine Stacheln sind doch wunderbar!“, lachte Röschen. „Dank ihnen hast du Langohr gerettet!“

„Und wir lieben dich genau so, wie du bist“, fügte Piepser hinzu.

Von diesem Tag an versteckte sich Stachel nie wieder. Er spielte mit seinen Freunden Verstecken, sammelte mit Röschen Nüsse und lauschte Langohrs langen Hasengeschichten.

Und wenn einer der Freunde in Not war, kam Stachel zur Hilfe. Denn jetzt wusste er: Wahre Freunde lieben dich nicht dafür, wie du aussiehst, sondern dafür, was für ein gutes Herz du hast.

Jeden Abend trafen sich unter der alten Eiche die vier besten Freunde im ganzen Wald.