Tief im Wald lebte der kleine Fuchs Rudi. Er war schlau und frech. Mal nahm er dem Igel einen Apfel weg, mal sagte er dem Eichhörnchen: "Gleich regnet es!" – und schon versteckte das Eichhörnchen seine Nüsse.
Eines Morgens fand Rudi neben einer alten Eiche ein kleines Säckchen. Zehn Nüsse waren drin!
"Oh, fein!", jubelte Rudi. "Die esse ich alle auf!"
Doch da hörte er ein Schluchzen: "Wo ist mein Säckchen? Wo nur?"
Hinter einem Busch saß die Maus Fine und weinte. Sie suchte im Gras.
"Ich habe Nüsse für meine kleinen Mäusekinder gesammelt", schniefte Fine. "Und jetzt ist alles weg!"
Rudi versteckte das Säckchen hinter dem Rücken.
"Ich habe nichts gesehen", sagte er und lief nach Hause.
Zu Hause holte er das Säckchen hervor. Er nahm eine Nuss. Riech dran. Wollte schon hineinbeißen. Da fiel ihm ein, wie die Maus geweint hatte.
"Ach", seufzte Rudi. "Aber die Nüsse gehören doch mir!"
Er nahm eine zweite Nuss. Und eine dritte. Aber er hatte keinen Hunger. Irgendwie war ihm traurig zumute.
Rudi starrte das Säckchen an und dachte an die kleinen Mäusekinder, die auf ihre Mama warteten.
"Na gut!", sagte er schließlich.
Er schnappte sich das Säckchen und rannte los, um Fine zu suchen.
Die Maus saß noch immer unter dem Busch und wischte sich Tränen aus den Augen.
"Fine!", rief der Fuchs. "Ist das dein Säckchen? Ich hab es im Gras gefunden!"
Fine hüpfte vor Freude.
"Meins! Mein Säckchen! Danke, Rudi!"
Sie fiel dem Fuchs um den Hals.
"Komm mit zu mir", sagte Fine. "Meine Mäusekinder wollen dich kennenlernen!"
Sie gingen zusammen. Die kleinen Mäuse piepsten und trippelten aufgeregt umher. Fine gab Rudi leckeren Honig und Beeren.
Rudi aß und lächelte. In seinem Herzen war es warm und gemütlich – so warm wie noch nie.
Als es dunkel wurde, ging Rudi unter den Sternen nach Hause. Er pfiff ein fröhliches Lied.
Zu Hause legte er sich in sein weiches Bett und schloss die Augen. Er träumte, dass er und Fine Blumen auf der Wiese pflückten, während die Mäusekinder um sie herum spielten.
Rudi lächelte im Schlaf und schlief sanft ein.