Eichhörnchen Röschen und das Wintergeheimnis

In einer hohen Tanne wohnte ein Eichhörnchen namens Röschen. Es hatte einen puscheligen Schwanz und kleine Schnurrhaare, die vor Neugier immer zitterten.

Im Herbst trug Röschen Nüsse davon. Es versteckte sie hier und da: unter Wurzeln, in der Höhle einer alten Eiche, zwischen Steinen am Bach. Überall!

"Hier verstecke ich eine", sagte das Eichhörnchen. "Und hier lege ich noch fünf Nüsse hin!"

Es hatte so viel zu tun, dass es gar nicht darüber nachdachte, ob es sich alle Stellen merken würde.

Der Winter kam. Eine weiße Schneedecke legte sich über den Wald. Röschen erwachte hungrig.

"Wo sind bloß meine Nüsse?", wunderte es sich.

Es lief zum ersten Baum – nichts. Es schaute unter den Busch – leer. Es buddelte am Bach – nur Schnee und Eis.

"Oje!", jammerte Röschen. "Ich habe alles vergessen!"

Es setzte sich auf einen Ast und kraulte sich mit dem Pfötchen hinter dem Ohr. Was nun?

Da hörte es eine leise Stimme: "Röschen, hast du meine Eicheln gesehen?"

Das war die Eichelhäherin Blauflügel. Auch sie suchte ihre Vorräte.

"Nein", antwortete Röschen. "Und hast du meine Nüsse gesehen?"

Der Vogel schüttelte den Kopf.

Sie beschlossen, gemeinsam zu suchen. Blauflügel flog hoch und spähte von oben. Röschen hüpfte unten und beschnüffelte den Schnee.

"Sieh mal!“, rief die Eichelhäherin plötzlich. „Unter der Fichte da lugt etwas hervor!"

Röschen sauste hin. Oh! Da lagen Blauflügels Eicheln!

"Danke!“, freute sich der Vogel. „Jetzt helfe ich dir!"

Sie suchten weiter. An einem alten Stumpf schnupperte Röschen.

"Nüsse!“, quietschte es. „Hier riecht es nach Nüssen!"

Blauflügel half mit dem Schnabel, den Schnee wegzukratzen. Und tatsächlich – da war ein großer Haufen Nüsse!

"Hurra!", jubelte Röschen.

Aber es waren zu viele Nüsse für ein einziges Eichhörnchen. Es überlegte kurz und lächelte dann:

"Blauflügel, nimm dir auch welche! Ich habe noch andere Verstecke, ich weiß nur nicht mehr, wo."

Die Eichelhäherin bedankte sich und nahm ein paar Nüsse.

Am Abend saß Röschen in seinem Nest, knabberte an einer köstlichen Nuss und lauschte dem Knirschen des Schnees draußen. Morgen würden sie weitersuchen.

Es rollte sich zu einem kleinen Ball zusammen, steckte das Näschen in den puscheligen Schwanz und machte die Augen zu. Vor dem Fenster tanzte sanft der Schnee.