Es war einmal ein kleiner Waschbär namens Timko. Er hatte ein weiches, gestreiftes Fell und zwei pfiffige Pfötchen.
Eines Morgens entdeckte Timko ganz oben in einer hohen Eiche einen roten Apfel. Der glänzte so schön in der Sonne!
„Oh, den möchte ich haben!“, flüsterte Timko.
Er kletterte los. Auf den ersten Ast. Auf den zweiten. Auf den dritten. Aber die Eiche war so hoch, so hoch!
In der Mitte des Stammes blieb Timko hängen und schaute nach unten. Hui, wie hoch das war! Seine Pfoten zitterten. Er klammerte sich fest an die Rinde.
„Hilfe…“, murmelte er leise. Aber so leise, dass es niemand hörte.
Da kam das Eichhörnchen Orysja vorbei.
„Guten Morgen, Timko!“, rief es und sprang weiter.
Timko schwieg. Er schämte sich zu sagen, dass er festsaß.
Da flog der Specht Klopf vorbei.
„Hallo, Timko! Schöner Tag!“, klopfte er mit dem Schnabel.
Timko schwieg wieder. Er dachte, er schafft es allein.
Eine Stunde verging. Timkos Pfötchen wurden müde. Die Sonne stieg höher und es wurde heiß.
Plötzlich kam unten der Bär Myron vorbei. Groß und gutmütig.
„He, wer sitzt denn da auf dem Baum?“, brummte Myron.
Timko holte tief Luft.
„Myron! Ich bin‘s, Timko! Ich stecke fest und kann weder rauf noch runter! Hilf mir bitte!“
„Klar doch!“, rief Myron.
Der Bär trat an die Eiche, umfasste den Stamm mit seinen starken Tatzen und rüttelte – einmal! Zweimal!
Da fiel der Apfel direkt in Timkos Pfötchen. Und mit ihm ein langer, starker Ast – wie eine Leiter.
„Kletter‘ runter wie über eine Brücke!“, riet Myron.
Timko balancierte vorsichtig auf den Ast und huschte schnell, schnell hinunter.
„Danke!“, rief er fröhlich und teilte den Apfel mit dem Bären.
Sie setzten sich unter den Baum und frühstückten zusammen. Der Apfel war süß und saftig. Und weil sie ihn teilten, schmeckte er noch viel besser.
Bald kam das Eichhörnchen Orysja mit Nüssen zurück. Specht Klopf brachte Beeren. Gemeinsam feierten sie ein richtiges Fest unter der alten Eiche.
Als die Sonne sich neigte, saß Timko zwischen seinen Freunden und lächelte. Sein buschiger Schwanz wedelte vor Freude.
Und als er am Abend in seiner Höhle einschlief, dachte er noch lange: Wie gut, dass ich nicht geschwiegen habe.